Leszek Szuster - Direktor der internationalen Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz.
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Direktor der internationalen Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz - Leszek Szuster

Leszek Szuster ist Direktor der internationalen Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz.

Ich bin seit mehr als 20 Jahren der Direktor der internationalen Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz.

Die Ereignisse, die hier vor 75 beziehungsweise 80 Jahren passiert sind, fordern Genauigkeit heraus. Und genau diese Genauigkeit erlaubt den Menschen, besonders den jungen Menschen, sich zu vergegenwärtigen, dass das, was sie um sich herum hier beobachten, sich genau heute wiederholt, sich in verschiedenen Teilen der Welt wiederholt, auch in Europa.

Ich denke, dass solche Erfahrungen und Reaktionen der jungen Leute mit der Wahrheit dieser Zeit sehr wichtig ist. Dies beobachten wir bei Studienreisen oder Seminaren, aber vor allem im Kontakt mit Zeitzeugen.

In den ersten Minuten dieser Gespräche beobachte ich eine Unruhe, sogar eine fehlende Konzentration. Aber sobald die Jugendlichen verstehen, und das erlebe ich immer wieder, dass das, was der ältere Herr oder die ältere Dame erzählen, sich wirklich ereignet hat, als diese Menschen 17,18, oder 19 waren, also in dem gleichen Alter wie die Jugendlichen, die hier herkommen, dann löst das eine unheimliche Empathie aus, ein Interesse, ein gemeinsames Empfinden. Das ist kaum zu überschätzen. Diese Treffen sollen eigentlich nur eine Stunde dauern. Manchmal dauern sie aber zwei oder drei Stunden. Am Ende gibt es viele Fragen, meistens auch Tränen. Und auch sehr viele schöne Reaktionen.

Ich denke, dass die wichtigste Aufgabe ist, sich selbst zu sensibilisieren und andere. Für das, was in der Umgebung passiert. Und es ist nicht wichtig, ob man sich auf den Zweiten Weltkrieg bezieht oder die Situation in Auschwitz-Birkenau. Es geht um die Weigerung, anderes Leid zu akzeptieren. Das kann das Leid eines Freundes aus der Schule betreffen oder eines Geflüchteten. Das ist das, was vielleicht die Bedingungen schafft, damit sich solche Situationen wie Auschwitz nicht wiederholen.