Stolperstein 11: "Sie sagten, das ist unser Ende"

Stolperstein 11: "Sie sagten, das ist unser Ende"

Ein Screenshot aus dem Video von Ronnie Karfiol zeigt ein Bild aus der SS-Baudokumentation des KZ Auschwitz. © NDR/ Lorenz Vetter


Ein O-Ton der Auschwitz-Zeitzeugin Malka Leibovitz in künstlerischer Überarbeitung als Experimentalfilm von Ronnie Karfiol.

Die Zeitzeugin: Malka Leibovitz

Malka Leibovitz, geborene Jusovitz, wurde am 10. Januar 1922 in der damaligen Tschechoslowakei geboren, die heute Teil der Ukraine ist. Zu Beginn des Krieges bekamen sie und ihre neun Geschwister die Einschränkung ihrer Freiheit schnell zu spüren: Das erste Ladengeschäft ihrer Schwester wurde von den Behörden beschlagnahmt, dann wurden sie und ihre ältere Schwester nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Ihre ältere Schwester wurde trotz ihrer Schwangerschaft mit ihren Kindern direkt in die Gaskammern geschickt. Die junge Malka, sowie zwei ihrer Cousinen, mussten im KZ Zwangsarbeit verrichten. Die drei Frauen schafften es, den Krieg zusammen zu überleben - maßgeblich, weil Malka die Hoffnung nicht aufgab und diesen Gedanken auch an ihre Cousinen weitergeben konnte. Von ihren zehn Geschwistern überlebten nur ihre drei jüngeren Brüder.

Nach dem Krieg gründete Malka Leibovitz eine Familie in Usti-Nad-Labem, nahe Prag. Dort kam auch ihre erste Tochter Shoshanna zu Welt. Die Familie entschied sich später in den neu gegründeten Staat Israel zu ziehen, um endlich an einem Ort zu leben, an dem sie nicht mehr ob ihrer Religion diskriminiert würden. Sie arbeitete dort als Näherin und konnte dem jüdischen Glauben ihr ganzes Leben lang nachgehen. Malka Leibovitz starb 2010 in Israel.

Die Künstlerin: Ronnie Karfiol

Ronnie Karfiol kam als Austauschstudentin aus Israel an die Fakultät für Kommunikationsdesign.
Ihr Video entstand auf der Grundlage der Erzählungen ihrer Großmutter, die Auschwitz überlebt hatte. Ronnie Karfiols Mutter zeichnete 1999 eines der seltenen Gespräche mit ihrer Mutter auf, in dem sie über ihre Erfahrungen spricht. Malka Leibovitz wollte nur ungern darüber sprechen, um ihre Kinder nicht zu traumatisieren.
Um diese Berichte zu visualisieren, arbeitete die Künstlerin mit Originalaufnahmen der Bauleitung Auschwitz. Sie bearbeitete die Schwarzweißfotos mit einer Art digitalem Glitch-Effekt. Wichtig war ihr dabei, den Materialien, die so normal aussehen, eine Art Zerstörung entgegen zu setzen, um das Grauen dahinter zu offenbaren.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | 7 Tage | 28.01.2015 | 00:00 Uhr