Stolperstein 2: "Die Atmosphäre Auschwitz"

Stolperstein 2: "Die Atmosphäre Auschwitz"

Ein Screenshot aus dem Video von Natalie Forster zeigt eine Gefängniszelle von innen. © NDR/ Natalie Forster


Für den O-Ton des Auschwitz-Zeitzeugen Hermann Langbein entwickelte Natalie Forster einen Zeichentrick mithilfe eines Modells.

Der Zeitzeuge: Hermann Langbein

Hermann Langbein, geboren am 18. Mai 1912 in Wien, trat bereits 1933 der Kommunistischen Partei Österreichs bei und kämpfte im Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
1938 floh er nach Frankreich und schloss sich dort den internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg gegen die Errichtung einer Diktatur unter Franco an. 1939 geriet er in französische Internierungshaft und wurde von dort – nach der Besetzung Frankreichs – 1941 nach Deutschland ausgeliefert.
Zunächst brachte man ihn ins KZ Dachau und beschäftigte ihn dort als Häftlingsschreiber im Krankenrevier; 1942 wurde er ins KZ Auschwitz überstellt.
Mitte April 1945, nach der Befreiung der Lager, sprang er aus einem Evakuierungstransport und flüchtete mit einem Fahrrad nach Österreich. Hermann Langbein arbeitete später als Historiker und war Mitbegründer des Internationalen Auschwitz Komitees. Durch sein großes Engagement wurde er oft als Sprachrohr der Opfer von Auschwitz verstanden. 1967 wurde er von Yad Vashem als "Gerechter unter den Völkern" geehrt. Hermann Langbein starb am 24. Oktober 1995 in Wien.

Die Künstlerin: Natalie Forster

Das Set für das Video von Natalie Forster zeigt das Modell eines Bunkers. © NDR/ Natalie Forster

Der Bunker, der im Video als finsteres Verlies erscheint, war tatsächlich ein Modell in der Größe eines Schuhkartons.

Während der Auseinandersetzung mit dem Thema Auschwitz bemerkte Natalie Forster einen entscheidenden Unterschied zum geschichtlichen Pflichtprogramm in ihrer Schulzeit. Sie konnte sich viel intensiver und kritischer mit Einzelheiten auseinandersetzen und hatte so die Möglichkeit, eine differenzierte Haltung dazu zu entwickeln.
In der Arbeit mit dem O-Ton stand sie vor der Herausforderung, der Thematik wie auch ihrem künstlerischen Anspruch gerecht zu werden. Ihren Film realisierte sie schließlich mit analoger Animation in Stop-Motion Technik - ein Stil, den man nicht unbedingt mit dem Grauen von Auschwitz in Verbindung bringen würde. Das Ergebnis ist besonders schlicht und gerade deswegen besonders eindringlich.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | 7 Tage | 28.01.2015 | 00:00 Uhr