Ihre Meinung: Auschwitz und Ich

Ihre Meinung: Auschwitz und Ich

"Augenblicklich schossen mir Tränen in die Augen"

Im März 2012 war ich nach Theresienstadt und Buchenwald auch in Auschwitz. Man kann es nur sehr schwer beschreiben, wie man sich an dieser oder jenen Stelle im Lagerkomplex fühlt, welche quälenden Gedanken einem pausenlos durch den Kopf gehen, die Vorstellungskraft des Menschen ist scheinbar nicht dafür gemacht! Wie stellt man sich eine Zahl wie die der mindestens 1.100.000 ermordeten Menschen vor? Mir ging es genauso, aber ich hatte einen "Aha-Effekt", den vielleicht andere auch kennen, welcher ab diesem Tage für immer ein Teil von einem bleibt: Wer im Stammlager die Blöcke mit den verschiedenen Ausstellungen aufgesucht hat, kam sicherlich auch in die Räume, in denen Brillen, Schuhe, Koffer, Kleider und Haare hinter großen meterlangen Scheiben ausgestellt wurden. In dem Moment, als ich das endlose Meer aus Haaren zu Gesicht bekam, schossen mir augenblicklich Tränen in die Augen. Kein Bild, kein Film und auch kein Buch kann so nachwirkend eine Geschichte erzählen, wie es Auschwitz kann. Ich hoffe, dass auch in Zukunft viele Interessierte solche Orte aufsuchen, um das wahrhaft Böse des Menschen zu Gesicht zu bekommen.
Stefan Pötzsch, Leipzig

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | 7 Tage | 28.01.2015 | 00:00 Uhr

Stand: 27.01.15 15:44 Uhr