Ihre Meinung: Auschwitz und Ich

Ihre Meinung: Auschwitz und Ich

"Die nüchternen Zahlen des Schulbuches werden zur Realität"

"Ich besuchte das KZ Auschwitz-Birkenau letzten August, als ich mit meinem Freund in Krakau bei Freunden zu Besuch gewesen bin. Als ich in Birkenau das berüchtigte Tor mit dem Wachturm sah, war mein erster Eindruck, wie klein es doch in der Realität aussieht. Wir schritten durch einzelne Baracken, aber auch jetzt noch hatte das Lager keinen großen Eindruck hinterlassen. Dies änderte sich, als wir an einzelnen Abschnitten vorbeigingen und den Informationsschildern zu entnehmen war, dass etwa in diesem Abschnitt etliche Kinder exekutiert wurden. Mir kamen die Tränen. Einen Moment, um mich wieder zu sammeln, brauchte ich allerdings, als wir an den Ruinen eines Krematoriums entlanggingen, welches von einem Waldabschnitt umschlossen ist. Ein Schild wies darauf hin, dass häufig das Krematorium/die Gaskammer so überfüllt gewesen ist, dass die Menschen in diesem Abschnitt auf ihren Tod warten mussten. Es wurde mir unerträglich, dieses Leid auch nur in meinem Kopf auszudenken. Selbst jetzt treiben mir die Erinnerungen Tränen in die Augen.
In Auschwitz I sagte ich zu Beginn des Rundganges, ich hätte das Schlimmste wohl gesehen. Dies änderte sich, als ich die Glasvitrine sah, gefüllt bis an die Decke mit Schuhen oder Haaren oder Brillen. Ich brauchte erneut einige Zeit, um wieder Herr über mich zu werden. In diesem Moment werden die nüchternen Zahlen des Schulbuches zur Realität. Es ist und bleibt die größte Schande Deutschlands, dass so etwas geschah. Wir können unsere Verantwortung nicht leugnen. Wir dürfen nicht vergessen. Und wir müssen alles tun, was in unserer Macht steht, dass so etwas nie wieder geschieht. Das ist das Kainsmal der Deutschen."
Cristiano Spina, Düsseldorf

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | 7 Tage | 28.01.2015 | 00:00 Uhr

Stand: 27.01.15 15:44 Uhr